Buchbesprechungen
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Geräte der Gerber, Walker und Färber, eine ganze Blaufärbereinrichtung,
nennt Balingen sein eigen. Auf Zunftaltertümer können besonders die Museen
in Schorndorf und Mengen hinweisen. Bäuerliches und Hausgerät besitzen die
Museen in Benz, Buchau, öhringen. In Mühlacker ist besonders eine Sand
mühle zur Herstellung des Stuben- und Fegesandes anzuführen.
Für landwirtschaftliches Gerät ist das Museum Hohenheim — hier eine
Modellsammlung von Pflügen — zuständig.
Spinn- und Webstuben sind in Sendelfingen, in Kirchheim-Teck ausgestellt.
Bäuerliche Trachten treffen wir in den Museen Crailsheim, in der Burg Hohen-
zollern, in Reutlingen, Mergentheim, Schwäbisch-Hall, ebenso in Wangen an.
Devotionalien und religiöse Volkskunst, z. B. Andachtsbilder, Grabkreuze,
Totenkronen, Krippen und anderes sind in den Museen in Schwäbisch-Gmünd,
in Crailsheim, Ehingen und Wangen, wie in Waldsee gesammelt worden. Aus
Crailsheim bemerkenswert ist die Groninger Hubertusschüssel gegen Tollwut.
Eine beachtliche Sammlung von bäuerlichen Hinterglasbildern besitzt das
Museum in Riedlingen.
Über Sitte und Brauch orientiert das gleiche Museum. Hier ist besonders eine
Sammlung schmiedeeiserner Votivtiere zu beachten. Uber das Thema Gebäck
model, über Springerle kann man sich gut in Schwäbisch-Hall orientieren, eben
so über Schießscheiben. Uber Schmuck- und Silberfiligran ist das Museum
Schwäbisch-Gmünd am ersten richtungweisend, weil hier die Kunst des Silber-
filigrans zu Hause ist.
Unter den Abbildungen erscheinen: 1) ein Württembergischer Beetpflug aus
der Gegend von Ulm (Nr. 58), 2) die Vertäferung einer Bauernstube, 19. Jhd.,
in Schwenningen (Nr. 67), 3) ein bemalter Bauernschrank von 1786 aus Mün-
singen (Nr. 76), 4) bäuerliche Möbel aus Langenau (Nr. 80), 5) ein bemalter
Bauernschrank aus Waldsee um 1800 (Nr. 91), 6) eine Narrenmaske aus Rott
weil (Nr. 71), 7) ein eisernes Grabkreuz des 18. Jhd. in Mengen (Nr. 78), 8) eine
Radhaube von 1830 in Leutkirch/Allg. (Nr. 78), 9) Gmünder Filigran (Nr. 49),
Schwäbisch-Gmünd. Führer dieser Art, die nur orientieren wollen, sind für
den Volkskundler, den Sachforscher von nicht zu unterschätzender Bedeutung.
Osnabrück Walter Borchers
Hans Günther Griep, Das Bürgerhaus in Goslar (Das deutsche Bürgerhaus,
herausgegeben von Adolf Bernd), Verlag Ernst Wasmuth, Tübingen 1959. 186
Seiten mit 60 Textzeichnungen, 56 Lichtbildtafeln und 1 Faltblatt.
Noch immer fehlen die Grundlagen für gleichwertig fundierte großräumige
Bürgerhausdarstellungen. Im Jahrzehnt vor dem ersten Weltkriege ernsthafter
einsetzende Bemühungen um ein deutsches Bürgerhauswerk zeitigten einige
Städtemonographien und vereinzelt erste Versuche zu größeren landschaftlichen
Darstellungen, um dann etwa mit den Ausklängen des stark mittragenden
Historismus stecken zu bleiben. Die bis dahin im Erforschen des bürgerlichen
Wohnbaues führenden Architekten traten mehr und mehr zurück. Vertreter der
Volks- und Altertumskunde oder Historiker griffen hin und wieder das Thema
auf. Kunsthistoriker beschäftigten sich sporadisch und meist unter dem Gesichts
punkt formaler Gestaltung nach dem Vorbild der Stilkunst mit dem Bürger
haus. Umso mehr Anerkennung verdient es, daß der Baufachmann Adolf Bernt,