Konrad Grunsky-Peper
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anderen Wissenschaftsdisziplinen deutlich auszumachenden Unterschiede
zwischen reinem Forschungsfilm und Hochschulunterrichtsfilm sind im Be
reich der Volkskunde inhaltlich weder anhand der Filme, noch der Begleit
materialien eindeutig festzumachen. Es sei dahingestellt, ob die zweifels
ohne vorhandenen wissenschaftlichen und methodischen Defizite des Göt
tinger Instituts in absehbarer Zukunft institutsintern behoben werden
können.
Um meine weiteren Ausführungen zum Problem des volkskundlichen
Films in der Bundesrepublik zu rechtfertigen, sei eine Anmerkung zum For
schungsgegenstand der Volkskunde in Ansehung wissenschaftlicher Nach
bardisziplinen gestattet. Die sich um diesen Punkt seit etwa zwanzig Jahren
intensiv bewegende fachinterne Diskussion läßt erkennen, daß der For
schungsschwerpunkt mehr und mehr auf die konkreten Lebens- und Ar
beitsverhältnisse bestimmter Bevölkerungsgruppen, bezogen auf ihren hi
storischen Wandel, gelegt wird. Feststellbar ist eine Intensivierung der so
zialhistorischen Archiv- und Quellenforschung sowie die kritische Untersu
chung zeitgenössischer Erscheinungsformen in Abhängigkeit von den ge
sellschaftlichen Gesamtbedingungen. Kultursoziologische und sozialpsy
chologische Fragestellungen überschneiden sich häufig mit den wissen
schaftlichen Nachbargebieten Soziologie und Psychologie. Museologische
und museumspädagogische Ansätze weisen innerhalb des Fachgebiets
Volkskunde vermehrt auf eine berufsorientierte Praxisnähe hin. In diesem
skizzierten Umfeld ist die Frage nach der Notwendigkeit und dem Be
dürfnis der Verwendung audiovisueller Techniken anzusiedeln. Daß heute
hierbei nicht mehr vordergründig vom Film (im Sinne der technischen Be
dingungen des Mediums) die Rede sein kann, sei nur nebenbei angemerkt:
einschränkende Bedingungen für Filmarbeit im Dienst von Unterricht und
Forschung können im Zeitalter der Video- und Bildschirmtechnik kaum
mehr gelten; einige volkskundliche Institute haben bereits den Anfang ge
macht. Es scheint denkbar, daß in wenigen Jahren die Videokamera ebenso
zum Rüstzeug des Volkskundlers gehört wie heute der Fotoapparat. Die
neue Kommunikationstechnologie läßt erkennen, daß (technisch gesehen)
die Trennung von Schrift und Film nicht mehr zu gelten braucht. Damit er
öffnen sich für die wissenschaftliche Verwendung der Bildmedien mit Si
cherheit neue Wege, deren Durchsetzung jedoch noch einige Jahre, wenn
nicht Jahrzehnte dauern wird.
Neben der Arbeit des Göttinger Instituts, die sich bis heute letztlich in
den vorgezeichneten Bahnen der dreißiger Jahre bewegt hat, gab es in den
vergangenen zwei Jahrzehnten lediglich zwei Institutionen, die sich mit der
Herstellung von volkskundlichen Filmen auf wissenschaftlichem Hinter
grund beschäftigten. Ingeborg Weber-Kellermann hat in Zusammenarbeit
mit dem Hessischen Rundfunk einige Filmserien und Einzelfilme erarbeitet,
deren Inhalte den gesellschaftlichen Wandel an seinen konkreten Erschei