Zur Sprache und Kultur der Belu (Timor)
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Das Werk ist die Frucht einer Arbeit von nur acht Monaten 10 11 .
Es wird die gesamte Kultur der Belu, ihre materielle und wirtschaft
liche Seite, das soziale Leben und die Religion dargestellt. Dieses Kulturbild
wird ergänzt durch ausführliche, über das ganze Werk verteilte Tetum-Texte
mit wörtlicher und sinngemäßer Übersetzung. Die Aufzeichnung von einhei
mischen Texten, Abstammungsmythen, religiösen Riten und feierlichen An
sprachen, die Angaben über den Brautpreis sowie die Beschreibung des Kunst
gewerbes und der Ornamentik (in Geweben und Schnitzereien) bilden die
starke Seite von Vroklages Buch. Als Schwächen sind hingegen zu verzeich
nen : a) Mangelnde Kenntnis der Eingeborenensprache, so daß deren Dar
stellung in der mechanischen Wiedergabe des dem Verfasser Mitgeteilten
besteht ; b) Lücken in der Beschreibung der materiellen Kultur, da Vroklage
nicht lange genug im Lande war, um umfassende eigene Forschungen anzu
stellen, sondern in vielen Fällen auf das angewiesen war, was die Gewährs
leute ihm sagten; c) einige verallgemeinernde Urteile, die nicht hinreichend
begründet sind.
Als Ganzes betrachtet ist das Werk jedoch eine gewaltige Pionier
leistung. Überraschend viel neues Material wird geboten, selbst für diejenigen,
die sich schon jahrelang auf Timor aufhalten.
II. Einige Wörter und Sachen in Vroklages Belu-Werk
Während ich im III. Abschnitt dieses Aufsatzes insbesondere auf die
Bewohner der Südebene eingehen möchte (siehe unten, Seite 167), möchte
ich in diesem II. Abschnitt das gesamte von den Belu bewohnte Gebiet
berücksichtigen.
Ich gehe dabei von dem Werk P. Vroklages aus und zwar halte ich
die Reihenfolge seines Buches ein n . Ohne der Leistung des hochgeschätzten
verstorbenen Verfassers Abtrag zu tun, möchte ich aus eigener Erfahrung
und aus eigener Sachkenntnis eine Auswahl der in Frage kommenden Stellen
nach Möglichkeit verbessern und ergänzen. Ich betrachte hier das ganze
Werk Vroklages, d. h. meine Ausführungen beziehen sich auf das gesamte,
von den Belu bewohnte Gebiet ; im dritten Teil gehe ich im besonderen auf
die Bewohner der Südebene ein.
Grundlage vorliegender Ausführungen sind meine persönlichen Erfah
rungen bei den Süd-Belu. Ich verbrachte acht Jahre auf Timor, davon ein
Jahr (1939-1940) im Dawan-Gebiet ; 1940-1942 und 1945-1950 -—- also ins
gesamt sieben Jahre — lebte ich im Gebiet der Süd-Belu. Nach dem Kriege,
d. h. Ende 1945, habe ich sechs Monate im Hause des Radja von Wehali
(bei Tabene), Edmundus Taek, gewohnt. Die Zeit meines Aufenthaltes auf
10 Vroklage war von Januar bis August 1937 im Lande. Seine Angaben über
den Aufbau der Verwaltung, Regierungsmaßnahmen, Zahlungsmittel, Marktwerte, Fron
arbeit usw. stammen aus dieser Zeit.
11 Zur Zitationsweise : Die römische Zahl bezieht sich auf den betreffenden Teil
des Belu-Werkes von Vroklage, die arabische Ziffer bezeichnet die Seiten, die Zahl
in Klammern gibt die Nummer eines Verses an.