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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 81/82.1985/86

Buchbesprechungen 
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tenhieben gegen gemütskranke Hochintellektuelle über die Anwendung von Mär 
chen und Musik in der Musiktherapie bei geistig Behinderten. Heino Gehrts macht 
auf eine „Dreieinheit von Erzählern“ in zwei Erzählbeispielen aus Griechenland 
und Zentralbrasilien aufmerksam und knüpft daran letztlich religiös geprägte Fol 
gerungen zu Stoff, Form und Sinngebung des Erzählens. 
Überzeugender als diese Serie von Morgengaben der Europ. Märchengesell 
schaft, die weniger ,neue‘ Zugangs- und mehr spekulative Wirkungsmöglichkeiten 
des Märchens aufzeigen, fallen die vier verbleibenden Beiträge aus, die seiner Funk 
tion und Handhabung durch die Erzähler gewidmet sind. Carl-Heinz Mailet schil 
dert faktengebunden und realistisch die erfolgreiche pädagogische Anwendung des 
Märchenerzählens in der Lernbehindertenschule, Agnes Koväcs den in empirischer 
Forschung erhobenen, sehr individuell bestimmten Umgang einer berufsmäßigen 
ungarischen Erzählerin mit ihren Märchen. Die beiden ertragreichsten Beiträge 
stammen von Walter Scherf und Katalin Horn. W. Scherf setzt Uberlieferungsin 
halte von Märchen und Konflikte der Zuhörer in Beziehung zueinander. Ausge 
hend von ihrem „Aufforderungscharakter“ untersucht er die Eingänge eigentlicher, 
bei Kindern beliebter Märchen, die bis auf wenige Ausnahmen einen Ablösungs 
konflikt zwischen Kind und Eltern umreißen und damit genau jene Konfliktlage 
anzeigen, aus der sich für den Zuhörer das Drama der Selbstfindung entwickelt. 
K. Horn zeigt auf, wie die Weltanschauung des Märchens anders wird, wenn das 
persönliche Weltbild des Erzählers überhand nimmt. An vier Märchenaufzeich 
nungen von vier bekannten ungarischen Erzählern dokumentiert sie überzeugend 
die individuell verursachten, gewichtigen formalen und inhaltlichen Verände 
rungen, die ein — etwa von Max Lüthi — vorausgesetzter Idealtyp erfahren kann, 
und stellt in Frage, ob diese wesentlichen Abweichungen Begleiterscheinungen des 
endgültigen Zerfalls der mündlichen Überlieferung unserer Zeit sind oder aber 
schon immer um die ,klassischen' Märchen oszilliert haben. 
Freiburg i. Brsg. Hannjost Lixfeld 
John M. Ellis, One Fairy Story too Many. The Brothers Grimm and Their Tales. 
Chicago/London: The University of Chicago Press, 1983. 214 S. 
John M. Ellis widmet sich in seiner Studie den Brüdern Grimm und ihren auch 
in den USA sehr verbreiteten und beliebten „Kinder- und Hausmärchen“. Wäh 
rend gerade in den letzten Jahren in den Vereinigten Staaten vermehrt psychologi 
sche und psychoanalytische Studien über die Grimmschen Märchen Aufsehen er 
regten (z.B. B. Bettelheim-. The Uses of Enchantment. New York/London 1976; 
vgl. auch den Sammelband von Metzger , MJMommsen, K. : Fairy Tales as Ways of 
Knowing. Essays on Märchen in Psychology, Society and Literature. Bern/Frank 
furt/Las Vegas 1981), widmet sich der amerikanische Germanist dagegen Überlie- 
ferungs- und Textproblemen. Er versteht seine Arbeit weniger als Neuentdeckung, 
sondern vielmehr als „a work of reinterpretation“. Dazu untersucht er die Volks 
erzählungen in ihrem historischen Kontext, widerlegt die von den Brüdern viel be 
schworene Mündlichkeit der Märchen und deren deutschen Ursprung, verweist auf 
die französischen Parallelen etwa im Werke C. Perraults, registriert die zahllosen 
inhaltlichen und sprachlichen Umarbeitungen in den verschiedenen Ausgaben der
	        
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