Buchbesprechungen
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Wünschenswert wären mehr Abbildungen, z.B. gibt es zu Sigrid Jacobeits Arbeit keine
einzige. Dieser Aufsatzband regt sicherlich an, einerseits Fazit zu ziehen, andererseits aber
auch neue Aspekte und Themen aufzugreifen.
Höxter-Corvey DÖRTE BECKER
Eva STILLE, Spielzeug-Tiere. Auch eine Kulturgeschichte. Nürnberg: Verlag Hans Carl,
1989. 204 S. m. zahlr. teils färb. Abb.
Mit diesem Buch von Eva Stille liegt nun erstmals eine Monographie zum Thema
Spielzeug-Tiere vor. Eine Ausstellung gleichen Titels, von der Autorin erarbeitet, war 1989
im Historischen Museum in Frankfurt am Main zu sehen. Und doch handelt es sich bei dem
vorliegenden Werk nicht um einen Katalog oder nur um eine Begleitpublikation zu der ge
nannten Ausstellung. Dieses Buch bietet bei weitem mehr, denn es beleuchtet aus verschie
denen Perspektiven das Thema „Spielzeug-Tiere“ und bleibt hierbei nicht bei der Beschrei
bung der vielfältigen Gruppen dieser Tiere, die sich in den Kinderstuben tummeln, stehen.
Während die bis heute erschienenen Publikationen zum Thema oft genug nur den Teddy
als das heute vielleicht beliebteste Spielzeugtier behandeln und entsprechend der Zielgruppe
„Sammler“ über Informationen zu Herstellern, Produktion, Alter, Seltenheit und — beson
ders wichtig — zum Marktwert der vorgestellten Objekte nicht hinauskommen, geht es Eva
Stille hauptsächlich darum, kulturgeschichtliche Zusammenhänge aufzuspüren. Hierbei er
geben sich Fragen, die bisher noch viel zu selten gestellt worden sind, wie etwa die nach den
Auswirkungen der Theorien von Pädagogen und Künstlern auf die Spielzeugherstellung;
die Verf. fragt etwa nach dem Bedeutungswandel der Spielzeug-Tiere, der durch die struktu
relle Veränderung unserer Umwelt in Stadt und Land eingetreten ist, und sie geht der Frage
nach, ob und in welchem Umfang das Spielzeug-Tier ein Indikator für die Beziehung des
Menschen zum Tier sein kann. Eine räumliche und zeitliche Begrenzung des Materials war
nötig und ist mit dem deutschsprachigen Raum und den letzten 200 Jahren durchaus sinn
voll gewählt.
Die beiden ersten Kapitel des Buches „Lernen durch Anschauung“ und „Der kleine Zoo
loge“ überschrieben, beschäftigen sich mit dem naturwissenschaftlichen Interesse des Kin
des am Tier und dessen Vermittlung. Die folgenden Kapitel sind den Tieren des Bauernho
fes, den Tieren des Waldes und den wilden Tieren gewidmet. Gesonderte Kapitel erhalten
die Arche Noah, ehemals ein Renner auf dem Spielzeugmarkt, in der alle Tiere vereint sind,
wie auch, entsprechend seiner herausragenden Bedeutung im realen Leben der letzten bei
den Jahrhunderte, das Pferd als das vielleicht typischste Jungenspielzeug.
In weiteren Kapiteln werden „Spielzeugtiere für die Kleinsten“, bewegliche und mechani
sche Spielzeug-Tiere sowie zur Tonerzeugung geeignete Spielzeuge wie etwa Flöten in Tier
gestalt, behandelt. Aber auch Randbereiche spart die Verf. nicht aus: „Tiere aus der Scherz
artikelkiste“, so heißt ein Kapitel, in dem die aus Kästchen und Dosen herausspringenden
Spielzeug-Schlangen und -Mäuse ebenso vorgestellt werden wie die im Scherz-Würfelzucker
verborgene Fliege; Gruseltiere und Scherzartikel, die in besonderem Maße die Kinder er
freuten.