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fullscreen: Globus, 25.1874

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Karl Andree : Eine Erinnerung an Heinrich von Maltzan . 
als scharfer Beobachter , und durch linguistische und ethuo - graphische Studien gründlich vorbereitet ; auch seine archcio - logischen Kenntnisse waren , wie seine Schriften bezeugen , weit umfassend und für die antike Kunst hatte er seines Ver - ständniß . 
Was aber hier ganz besonders hervorgehoben werden soll , das war sein ich kann wohl sagen eminentes Verständniß für die Eigenart und die Eigenthümlichkeiten der verschiedenen Völker , mit welchen er in Berührung ge - kommen . Auch dafür geben seine Bücher die Beweise , und im persönlichen Verkehr wurde mir erst recht klar , daß ich in ihm einen Ethnographen ersten Ranges vor mir hatte . Seine Schilderungen ethnischer Charakterzüge waren dann zugleich anatomisch und verfolgten das ganze vielverflochtene Geäder eines Volkes oder Stammes , und psychisch indem er die 
stigen Lebeusäußeruugeu darstellte . Er kannte ja so genau wie je einer sämmtliche Classen der bunten Gesellschaft und der verschiedenen Volksbestandtheile in der Levante und Nord - asrika ; Maltzan bewegte sich in allen Kreisen , verkehrte an den Höfen und mit deu Marabuts , mit Pilgern , Kaufleuten , Krämern , Schiffern und Handwerkern , mit dem Nomaden auf dem Karawanenzuge durch die Wüste und im Zelte , mit ansässigen Ackerleuten in den Dörfern , mit den Inden in ihrer Mellah ( Ghetto ) , mit den Christen europäischer Ab - fünft , die er nicht loben konnte , mit Mauren . Berbern und Franzosen , mit ägyptischen Fellahs und mit Arabern , wie in Afrika so auch im Hedschas , in Jemen und im Hadramaut ; die Somalis und die Abyssinier sind ihm gleichfalls uicht fremd geblieben uud auch in Bombay ist er gewesen . 
Sein Besuch in Marokko , wo er erst als Jude , dann 
Heinrich Freiherr von Maltzan . 
als Christ austrat , und die Wanderung nach Mekka , wo er als verkappter Mohammedaner erschien und die Rolle eines solchen meisterhaft durchführte , würden hinreichen es erkennen zu lassen , daß Furcht vor Gefahren ihm völlig fremd war . Seine Liebe zur Wissenschaft und sein Drang zum Forschen ließen ihn alle Schwierigkeiten gering achten . Er wußte sehr wohl wie viele derselben ihm entgegen treten würden und daß sein Kops an einem seidenen Faden hinge . In Fällen , wo eine Berechnung möglich war , legte er sich die Dinge im Voraus zurecht , erwog genau wie er die Gesah - ren vermeiden oder ihnen gegenübertreten könne ; im Uebri - gen vertranete er auf sein gutes Glück , das sich ihm denn auch auf seinen Wanderungen nicht versagt hat . 
An dieser Stelle soll keine Würdigung der Verdienste versucht werden , welche Heinrich von Maltzan sich um 
graphie , Völkerkunde , Archäologie uud Sprachwissenschaft er - worden hat . Wir glauben es aber ihm , welchem der „ Glo - bus " so viele werthvolle Beiträge verdankte , schuldig zu sein , eine solche in unserer Zeitschrift nicht zu unterlassen uud un - seren Lesern demnächst durch Mittheilungen aus seinen Bü - chern wiederholt zu zeigen wie belehrend und ansprechend er zu schildern wußte . 
Im persönlichen Umgange war Maltzan ungemein regend . Er hielt sich im Jahre 1870 während der Herbst - und Wintermonate in Dresden auf uud es war mir vergönnt , häufig mit ihm zu Verkehren . Ich überzeugte mich bald , daß auch er nicht ungestraft fo oft uud so lange unter Pal - men gewandelt ist . Seine Gesundheit war offenbar nicht fest ; es schien als leide er an der Leber und sein Nerven - system war stark aufgeregt ; bei ihm zeigte sich eine gewisse
	        
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