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Becker:
Arbeiter ist vielfältig abgestuft, mancher kleine Handwerker unterscheidet sich in
seiner Lebenshaltung kaum vom Arbeiter, die ganze Gruppe der Bauarbeiter hält
eine Art Zwischenstellung zwischen Handwerker und Arbeiter. Es gibt weder große
noch scharfe Unterschiede in der Lebenshaltung der einzelnen Schichten; von außen
gesehen lebt der Bauer ziemlich ärmlich, der Arbeiter ziemlich gut. Selbstversorgung
in der Lebenshaltung wird durch alle Schichten hindurch angestrebt. Selbst der
Gutsbetrieb, der ausgesprochen auf Absatz seiner Erzeugnisse hinarbeitet, hält mit
äußerster Zähigkeit an der Selbstversorgung fest. Fast der ganze Küchenzettel
wird aus den Erträgnissen der eigenen Wirtschaft bestritten. Noch stärker gilt das
vielleicht für den Bauern, der vor allem anderen die Selbstversorgung der Familie
und erst dann den Verkauf im Auge hat. Der Handwerker und Arbeiter baut
nur für den eigenen Bedarf. Wir sahen, wie stark die Landnutzung in diesen Schichten
war. Von den Handwerkern und Bauarbeitern hatte fast jede Familie ihr Stück
Land in Bearbeitung und ein Stück Nutzvieh im Stall; wer selber keine Landwirt
schaft trieb, hatte durch seine Eltern oder sonstige Verwandte einen Anteil am
Ertrag. Auch von den Industriearbeitern und Eisenbahnern haben wohl mehr
noch, als unsere Übersicht erfaßte, einen Anteil am Boden, meist in Form von
Pachtland, von dem sie ihren Lebensunterhalt weitgehend bestreiten. Ein Stück
Gemüseland vom Rittergut oder von der Kirche pachtet sich wohl jeder, der es
irgend aufbringen kann. In dieser Teilnahme am Boden und seiner Nutzung, die
durch alle Schichten hindurchreicht, liegt ein das ganze Dorf einendes Band, das
ein bestimmtes Gleichmaß der Lebenshaltung durch alle Schichten hindurch ge
währleistet.
Dieser starken Verknüpfung aller Schichten mit dem Boden steht nun eine
andere, merkwürdige Tatsache entgegen: die Bevölkerung ist wenig ortsfest, und
zwar ebenfalls in allen Schichten. Nach den Angaben des Grundbuchs wechselt
die einzelne Stelle im Durchschnitt der letzten hundert Jahre ihren Besitzer alle
45 Jahre. Unter Besitzwechsel wird dabei nur der Übergang in ganz fremde Hände
verstanden. Erbübergabe innerhalb einer Familie, auch Einheirat, gilt nicht als
Vesitzwechsel. Unter diesen Umständen erscheint die Stellenfestigkeit der Bevöl
kerung sehr gering. Seit etwa 1830 sitzt auf der einzelnen Stelle heute die 3. oder
4. Familie. Der Turnus des Besitzwechsels ist dabei in allen Größenklassen un
gefähr gleich. Sowohl bei den Großbauern wie bei den mittleren und kleinen,
auch bei den Parzellenleuten und Häuslern ist er nicht anders. Die Wanderung
von Stelle zu Stelle geht dabei nur zum kleineren Teile im Dorfe selbst vor sich,
häufiger von Dorf zu Dorf. Und zwar bewegt sich diese Wanderung immer inner
halb der mittelsächsischen Lößlandschaft und ihrer Randgebiete, um Mügeln, Oschatz,
Lommatzsch, Großenhain. Die Bevölkerung ist hier wenig stellenfest, wenig orts
fest, aber ausgesprochen landschaftsfest. Auch der nicht land- und hausbesitzende
Teil der Bevölkerung, die ständigen Landarbeiter und ein Teil der Industrie
arbeiter fügt sich dieser Regel ein. Das Heiratsregister des Hofer Standesamts