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Bibliographische Daten: Zeitschrift für Volkskunde, N.F.9=47.1938

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Becker: 
Arbeiter ist vielfältig abgestuft, mancher kleine Handwerker unterscheidet sich in 
seiner Lebenshaltung kaum vom Arbeiter, die ganze Gruppe der Bauarbeiter hält 
eine Art Zwischenstellung zwischen Handwerker und Arbeiter. Es gibt weder große 
noch scharfe Unterschiede in der Lebenshaltung der einzelnen Schichten; von außen 
gesehen lebt der Bauer ziemlich ärmlich, der Arbeiter ziemlich gut. Selbstversorgung 
in der Lebenshaltung wird durch alle Schichten hindurch angestrebt. Selbst der 
Gutsbetrieb, der ausgesprochen auf Absatz seiner Erzeugnisse hinarbeitet, hält mit 
äußerster Zähigkeit an der Selbstversorgung fest. Fast der ganze Küchenzettel 
wird aus den Erträgnissen der eigenen Wirtschaft bestritten. Noch stärker gilt das 
vielleicht für den Bauern, der vor allem anderen die Selbstversorgung der Familie 
und erst dann den Verkauf im Auge hat. Der Handwerker und Arbeiter baut 
nur für den eigenen Bedarf. Wir sahen, wie stark die Landnutzung in diesen Schichten 
war. Von den Handwerkern und Bauarbeitern hatte fast jede Familie ihr Stück 
Land in Bearbeitung und ein Stück Nutzvieh im Stall; wer selber keine Landwirt 
schaft trieb, hatte durch seine Eltern oder sonstige Verwandte einen Anteil am 
Ertrag. Auch von den Industriearbeitern und Eisenbahnern haben wohl mehr 
noch, als unsere Übersicht erfaßte, einen Anteil am Boden, meist in Form von 
Pachtland, von dem sie ihren Lebensunterhalt weitgehend bestreiten. Ein Stück 
Gemüseland vom Rittergut oder von der Kirche pachtet sich wohl jeder, der es 
irgend aufbringen kann. In dieser Teilnahme am Boden und seiner Nutzung, die 
durch alle Schichten hindurchreicht, liegt ein das ganze Dorf einendes Band, das 
ein bestimmtes Gleichmaß der Lebenshaltung durch alle Schichten hindurch ge 
währleistet. 
Dieser starken Verknüpfung aller Schichten mit dem Boden steht nun eine 
andere, merkwürdige Tatsache entgegen: die Bevölkerung ist wenig ortsfest, und 
zwar ebenfalls in allen Schichten. Nach den Angaben des Grundbuchs wechselt 
die einzelne Stelle im Durchschnitt der letzten hundert Jahre ihren Besitzer alle 
45 Jahre. Unter Besitzwechsel wird dabei nur der Übergang in ganz fremde Hände 
verstanden. Erbübergabe innerhalb einer Familie, auch Einheirat, gilt nicht als 
Vesitzwechsel. Unter diesen Umständen erscheint die Stellenfestigkeit der Bevöl 
kerung sehr gering. Seit etwa 1830 sitzt auf der einzelnen Stelle heute die 3. oder 
4. Familie. Der Turnus des Besitzwechsels ist dabei in allen Größenklassen un 
gefähr gleich. Sowohl bei den Großbauern wie bei den mittleren und kleinen, 
auch bei den Parzellenleuten und Häuslern ist er nicht anders. Die Wanderung 
von Stelle zu Stelle geht dabei nur zum kleineren Teile im Dorfe selbst vor sich, 
häufiger von Dorf zu Dorf. Und zwar bewegt sich diese Wanderung immer inner 
halb der mittelsächsischen Lößlandschaft und ihrer Randgebiete, um Mügeln, Oschatz, 
Lommatzsch, Großenhain. Die Bevölkerung ist hier wenig stellenfest, wenig orts 
fest, aber ausgesprochen landschaftsfest. Auch der nicht land- und hausbesitzende 
Teil der Bevölkerung, die ständigen Landarbeiter und ein Teil der Industrie 
arbeiter fügt sich dieser Regel ein. Das Heiratsregister des Hofer Standesamts
	        
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