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Dr . Friedrich Katzer : Zur Geographie des Rio Tapajös .
zwei Inseln eingeschlossenen Bucht und dürfte lich zu einer Entwickelung gelangen , da es von den Dampfern nicht direkt angefahren werden kann . Zu einiger Bedeutung dürfte es dagegen das in den Karten fehlende Brasilia Legal bringen , welches schon heute ein recht ansehnlicher Ort mit etwa 200 Einwohnern und ziemlich bedeutendem Handel ist . Zwischen diesem Kirchdorf und Itaituba liegen die in keiner Karte ver - zeichneten Ansiedelungen : Monte Christo , Livra - mento , Barreiras , Castanho , Santaremzinho und Piranga ; zwischen Brasilia Legal und Santa Cruz liegen , insgesamt am linken Ufer , das ebenfalls in den Karten fehlende hübsche Dorf Disteiro und die grofse Fazenda Urucurituba , beide auf Inseln , welche zwischen dem eigentlichen Tapajds und einem Rio Carachue genannten Nebenarm eingeschlossen sind .
Die letztgenannten Ansiedelungen gehören zu jenen
dies zwar bei den brasilischen Zuständen nichts weniger als eine Sicherheit , dafs die Unternehmungen auch werden zu Ende geführt werden , liefert aber doch einen Beweis für den Aufschwung des Ortes , dessen kommerzielle deutung infolge seiner Lage inmitten eines gummireichen Distriktes schon jetzt gröfser ist als selbst jene des alten Santarem , welches an der Mündung des Tapajds in den Amazonas so günstig gelegen zu sein scheint . wert ist , dafs südlich bei Itaituba drei Gummiplantagen bestehen , — eine grofse Seltenheit im Amazonasgebiete , wo die Erkenntnis der unbedingten Notwendigkeit der künstlichen Erhaltung eines gesicherten Bestandes dieses Reichtum spendenden Baumes noch nicht drungen ist .
Im Gebiete südlich yon Itaituba bis zu den unteren Tapajosfällen haben sich in den letzten Jahren recht bevölkerte Ansiedelungen entwickelt , die H . Coudreau 3 )
Tiefenzeichen : bis 10 m bis 20 m
bis 25 m _
bis 33 m lillil
bis 40 m
Mals stab : 8 cm = 1 km
llllllllllll über 40 m
Tiefenkarte der Tapajosmündung von Dr . Fr . Katzer
am Tapajdsunterlauf , die gegenwärtig einigermafsen repräsentabel aussehen . Im Jahre 1897 besafs Disteiro die einzige Kapelle zwischen Santarem und den unteren Stromschnellen , worin ein Gottesdienst abgehalten werden konnte , zu welchem Zwecke sich der Pfarrer von rem zeitweilig hinbegab ; denn aufser ihm gab es an dem ganzen unteren Tapajös keinen anderen Priester . Denn die gröfseren Ortschaften in der Nähe der mündung sind offenbar alle im Niedergang begriffen . So Alter do Chao , Boim und namentlich Aveiro , dessen Kirche eine Ruine ist und welches sich , obwohl noch immer der gröfste Ort am eigentlichen Tapajös ( mit 320 Einwohnern ) , im Verfall zu befinden scheint . Das aufblühende Itaituba dürfte ihm in jeder Hinsicht bald den Rang ablaufen . Im Jahre 1897 traf ich dort eine grofse Anlegebrücke für die Dampfer samt haus , eine hübsche Kirche und ein ausgedehntes haus ( Pago municipal ) im Baue begriffen an . Es bietet
teilweise verzeichnet , wobei er aber die Einwohnerzahl im allgemeinen zu unterschätzen scheint . Da indessen auch das Gegenteil vorkommt — Coudreau führt ( im Januar 1896 ) z . B . auf der Ponta Saracura zehn Insassen in zwei Häusern an , während ich im Juni 1897 diese Häuser unbewohnt fand — , so darf man vielleicht auf eine zuweilen rasche Fluktuation der Bevölkerung schliefsen .
Am rechten Ufer , gegenüber von Itaituba , in Miriti - tuba , den Tapajösarm Paranamirim do Curral entlang und auf der Painy genannten Uferstrecke zählte ich 16 Häuser mit zusammen 67 Einwohnern , weiter gegen Bella Vista und dortselbst 6 Häuser mit 37 Bewohnern ; am linken Ufer an der Mündung des Bom - Jardim - Baches 4 Häuser mit 13 Einwohnern , weiter bachaufwärts und
3 ) Voyage au Tapajoz . Paris 1897 . — Auf dieses Werk wird weiter unten wiederholt Bezug genommen werden .