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Bibliographische Daten: Globus, 61/62.1892

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Dr. A. Oppel: Die Vermehrung der Weißen in Australien und Ozeanien. 
den Koeffizienten der Vermehrung, liegen in den austra 
lischen Statistiken ausführliche Angaben vor, aus denen ich 
das Folgende heraushebe. Danach entfielen im Durchschnitt 
der Jahre 1865 bis 1889, für Westaustralien 1873 bis 
1889, auf fe 1000 Personen in 
Geburten 
Sterbefälle 
Überschuß 
Viktoria . . . 
34,45 
16,64 
18,81 
Neusüdwales . 
38,71 
15,45 
23,26 
Queensland . 
39,44 
17,69 
21,75 
Südaustralien. 
38,02 
14,57 
23,45 
Westaustralien. 
34,08 
16,25 
17,83 
In ganz Australien . . . 36,94 
15,92 
21,02 
Vergleicht man 
diese Verhältnisse 
mit denen anderer 
Länder, z. B. des Deutschen Reiches, so betrug hier in dem 
Zeitraume von 1841 bis 1888 der Jahresdurchschnitt der 
Geburten auf se 1000: 38,48 Proz., der Sterbesälle aber 
28,04 Proz. Demnach ist die Eigenproduktion Australiens 
an Kindern etwas kleiner als bei uns, aber da die Sterb 
lichkeit eine sehr geringe ist, so stellen sich die jährlichen 
- Überschüsse reichlich noch einmal so hoch als bei uns. Über 
haupt ist die Sterblichkeit in Australien geringer, als in 
allen europäischen Ländern, denn in letzteren wechselt sie 
zwischen 32,4 und 16,4Proz., sinkt also nirgend ans den für 
Australien berechneten Betrag. 
Demnach hat Australien ausgezeichnete Aussichten auf 
Bevölkerungszuwachs aus eigner Kraft. Nimmt man den 
Vermehrungkoeffizienten zu 2 Proz. das Jahr an, so wird 
sich die Bevölkerung auch ohne Einwanderung in spätestens 
50 Jahren verdoppelt haben. Tritt aber dazu noch eine 
Einwanderung von durchschnittlicks. 25 000 Köpfen, so wer 
den bloß 30 Jahre notwendig sein, um eine Verdoppelung 
der gegenwärtigen Kopfzahl herbeizuführen. Aber man 
darf nicht vergessen, daß auf diese Verhältnisse die Ent 
wickelung des Wirtschaftslebens einen großen Einfluß aus 
übt. Wesentlich davon also wird cs abhängen, in welchem 
Grade die Vermehrung der Weißen in Australien vor 
sich geht. 
2. Die Südseeinselwelt. 
Bezüglich des Vorhandenseins und der Vermehrung der 
Weißen lassen sich die sämtlichen Inseln der Südsee zu drei 
Gruppen anordnen. Die erste derselben unisaßt diejenigen 
Inseln, auf welchen die Weißen vorherrschen, oder wenig 
stens einen ansehnlichen Teil der Gesamtbevölkerung aus 
machen, also Tasmanien, Neuseeland, Hawaii und Neukale- 
donien. Zur zweiten gehören diejenigen Inseln, auf welchen 
sie in der Minderheit stehen. Die dritte Gruppe endlich 
bilden diejenigen Landkörper, auf welchen die Weißen nur 
vereinzelt auftreten oder aber ganz fehlen. 
Innerhalb der ersten Gruppe gebührt Tasmanien des 
halb eine Vorzugsstellung, weil hier die Eingeborenen seit 
mehr denn zwanzig Jahren völlig verschwunden sind. Die 
Zahl derselben schätzte man im Anfange dieses Jahrhunderts 
auf 4000 bis 5000. Nachdem sie aber eine Zeitlang von 
den Eingewanderten auf die scheußlichste Art behandelt worden 
waren, stellte man in den Jahren 1835 bis 1845 regel 
rechte Treibjagden auf sie an, fing sie, soweit sic nicht dabei 
zu Grunde gingen, ein und brachte die Überbleibsel aus die 
Flindersinsel, wo sie nach und nach wegstarben, die letzten 
im Jahre 1868. 
Die Einwanderung der Weißen oder vielmehr die Ein 
fuhr derselben — denn Tasmanien war zunächst Sträslings- 
kolonie — beginnt mit dem Jahre 1803, welches 478 Per 
sonen ausweist. Zwanzig Jahre später waren es 9554, 
1834 aber 29 942. Von da beginnt die Bevölkerung 
kräftiger zu steigen; 1841 waren es 47 659 und 1851: 
82 907. Dann tritt eine Verlangsamung ein, denn das 
Jahr 1861 ergab 89 977, 1870 aber 99 328, 1881 aber, 
115 705. Das letzte Jahrzehnt zeigt wieder ein lebhafteres 
Anschwellen, denn 1890 berechnete man 156 622 Personen. 
Abgesehen von einer Anzahl Chinesen — 1881 waren es 884, 
1890 aber gegen 1000 —, sind die Einwohner Tasmaniens 
durchaus europäischen Ursprungs. Dies beweist die Statistik 
der Herkunft vom Jahre 1881. Danach waren 69,7 Proz. 
in Tasmanien geboren, 3,5 Proz. in den andern australischen 
Kolonieen, 18,3 Proz. in Großbritannien, 6,3 Proz. in Ir 
land, 0,5 Proz. in andern britischen Besitzungen, 0,7 Proz. 
im Deutschen Reiche, je 0,1 Proz. in Dänemark und in den 
Vereinigten Staaten und 0,8 Proz. in sonstigen Ländern. 
Wenn nun auch als das Vaterland von 73,2 Proz. Austra 
lien bezeichnet wird, so weiß man doch, daß die Einwande 
rung fast ausschließlich ans Europa oder dem Vereinigten 
Königreich erfolgt ist, also diese sind auch als Europäer 
anzusprechen. 
Wie in Australien, hat auch in Tasmanien der Zufluß 
von außen her nachgelassen oder wenigstens keine ansehnlichen 
Beträge angenommen; denn die reine Einwanderung be 
zifferte sich 1889 auf 2672, 1890 auf 2447 Seelen. Diese 
Ziffern erreichen nicht einmal die Betrüge der natürlichen 
Vermehrung in den letzten Jahren, die sich überhaupt in 
Tasmanien sehr günstig stellt. Nach 25 jährigem Durchschnitt 
berechnet, beträgt die jährliche Geburtenziffer 32,56 pro Mille, 
die Sterbeziffer aber 15,23 pro Mille, so daß ein Überschuß 
von 17,33 pro Mille bleibt. Bei einer Bevölkerung von 
160 000 Seelen giebt das eine jährliche Vermehrung um 
2772 Köpfe, und dieser Berechnung entsprechen auch die 
Thatsachen, denn der weibliche Überschuß belief sich 1888 auf 
2741, 1889 aus 2659 und 1890 auf 2695 Seelen. Ein 
wanderung und natürliche Vermehrung machen also gegen 
wärtig rund 5000 Personen oder reichlich 3 Proz. der Ge 
samtbevölkerung aus. Demnach ist eine Verdoppelung der 
Einwohnerschaft in weniger als 30 Jahren zu erwarten. 
Neuseeland, zu welchem ich mich nun wende, ist nie 
mals Verbrecherkolonie gewesen. Der erste Europäer, wel 
cher sich hier niederließ, war der Missionar Samuel Marsden, 
der, 1814 in der Bay os Islands landend, zugleich unsere 
Haustiere mitbrachte. Später entstanden einige Ansiede 
lungen und Unternehmungen auch von anderer Seite, so 
suchte z. B. ein Baron von Thierry am Hokianga einen 
unabhängigen Staat zu gründen, bis im Jahre 1840 die 
britische Regierung ihre Hand nach der Insel ausstreckte 
und sic zur Kronkolonie erklärte und in demselben Jahre 
auch das erste Einwandererschiff, von Gravesend herkommend, 
in Port Nicholson landete. 
Bald darauf begannen auch die Kämpfe mit den Ein 
geborenen, den Maori, deren Zahl man 1860 bis 1861 
auf 55 275 — davon 53 056 auf der Nordinsel und 2219 
aus der Südinsel — bezifferte. Daß diese sich seitdem ver 
mindert hat, ist eine oft besprochene Angelegenheit. Der 
Zensus vom 3. April 1881 wies 43 662 und 2094 Half- 
casts aus, aber die Zuverlässigkeit dieser Angabe wurde von 
Mr. Bryce, dem damaligen Minister for native affairs, 
stark angezweifelt. „Ich glaube nicht", sagt dieser, daß es 
deren mehr als 30000 giebt. Nach Mitteilung eines seit 
dreizehn Jahren unter den Eingeborenen lebenden Beamten 
soll es bei deren nomadenartigcn Gewohnheiten, der Aus 
dehnung und Unwegsamkeit ihrer Gebiete ganz unmöglich 
sein, auch nur annähernd richtige Daten über deren gegen 
wärtige Zahl zu geben. Dem gegenüber lieferte eine 1886 
angestellte Untersuchung doch das Ergebnis, daß auf den 
beiden Inseln 39 168 Maori und 2254 Mischlinge vor 
handen waren. Dazu kommen 1958 Mischlinge hinzu, 
welche mit den Weißen leben und diesen beigezählt sind. 
Wenn man nicht anderswoher wüßte, daß die Eingeborenen
	        
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