184 Walter Krickeberg von La Venta östlich des Rio Tonalä 27 ). In allen Fällen ist das Relief der Bilder sehr flach, aber mit sicherer Hand in den Stein gegraben und zeugt von einer bedeutenden Fähigkeit zur lebendigen Menschendarstellung. Das in einen Basaltblock gemeißelte Felsbild von La Venta beweist sogar, daß die alten Künstler es in diesen Skulpturen gelegentlich zu einer Meisterschaft brachten, die in der späteren Zeit auf der Mesa Central nicht mehr ihresgleichen hatte. Die einzige, leidlich ebene Fläche des Blockes wurde so vollständig von einer in der Windung einer riesigen Schlange sitzenden Menschenfigur ausgefüllt, daß der Künstler gezwungen war, sich auf das genaueste der unregelmäßigen Kontur des Steines anzupassen, ja Vertiefungen und Vorsprünge der Fläche in seine Darstellung einzubeziehen. Trotzdem zeigt die Figur eine völlig zwanglose Haltung, die sich wohltuend von der statuarischen Geschlossenheit und starren Unbeweglichkeit der Figuren auf späteren Felsbildern abhebt. Die Kunst, mehrfigurige, lebendige Szenen mythischen oder kultischen Inhalts auf Felsbildern wiederzugeben, erreichte sogar erst an der äußersten Grenze der olmeki- schen Felsbildzone — wenn man den Begriff „Olmeken“ im denkbar weitesten Sinne gebraucht — ihren Höhepunkt. Ich denke hierbei vor allem an die großen Felsbilder von Cozumalhuapa an der pazifischen Küste Guatemalas, denen ich bereits an anderer Stelle eine kurze Studie gewidmet habe 28 ). 27 ) Drucker, Heizer und Squier „Excavations at La Venta, Tabasco, 1955“ (Bull, 170 des Bureau of Amer. Ethnol., 1959), S. 197—200 und Taf. 49. 28 ) In den Miscellanea Paul Rivet octogenario dicata I (1958), S. 505—512.