198 Etta Becker-Donner Indianer finden sich erst wieder am Rio Säo Miguel und am Rio Manuel Correa (auch Rio San Francisco genannt). Hier existiert ein Dorf (Tucano) der Abitana- Huanyam, das ich besuchte. In Limoeiro, wo ganze Scherbenfelder 1 ) von den ehemali ­ gen Bewohnern erzählen, ist nur ein Mann übriggeblieben. Am Oberlauf des Säo Miguel lebt noch eine kleine, Cabexis genannte Gruppe, die linguistisch zu den Huanyam gehört und gleich diesen — ebenso wie auch die More — einen Chapacura- Dialekt spricht. Am Oberlauf des Manuel Correa leben die letzten Reste (2 Familien) der Puru ­ borä, die auch ein wenig Kautschuk und Gummi sammelten und bereits stark ent- naturalisiert waren. Sie standen eben in erbittertem Kampf um ihren alten, ange ­ stammten Wohnplatz, den ihnen ein Gummihäadler streitig machen wollte. Sie sind wohl längst aus ihrem alten Tal vertrieben worden. Eine mit den Puruborä aufgenommene Wörterliste erwies ihre nahe Verwandt ­ schaft mit Macurape und Aruä. Mein Macurape-Waldläufer Oliveira konnte sich mit den Puruborä verständigen. Auch dieser Stamm kannte eine Claneinteilung wie die Macurape sie besitzen; die Puruborä waren die „Jaguar-Leute“, die — bereits aus ­ gestorbenen — Cokowi-bora die „Harpyen-Leute“. Am Guapore fand ich 1954 in Santa Fe bei Costa Marques die letzte Palmella- Familie. Es waren ältere Palmella-Geschwister, von denen der Mann mit einer India ­ nerin vom Rio Colorado verheiratet war, drei Kinder und ein alter Onkel. Nur letzte ­ rer erinnerte sich mühsam an etwa 20 Wörter seiner Spache; diese ist allem Anschein nach karibisch oder mindestens karibisch vermischt. Sie lebten ursprünglich um Pedras Negras, Maloca und Umgebung. Vereinzelt wohnen am Rio Branco und am Colorado noch ein paar längst aus jedem Stammesverband gerissene Macurape, Aruä, Wayoro, Jaboti und die Reste der von einer Masernepidemie übriggebliebenen Tupari, die zum Glück vor dieser Kata ­ strophe noch von Franz Caspar gründlich untersucht werden konnten. Nicht viel besser sieht es am Rio Mequens aus, wo ebenso entnaturalisierte Reste der vorgenannten Stämme sowie der Koaratira für Gummisammler und Händler arbeiten. Die Koaratira dürften mit den von Snethlage beschriebenen Amniapee und Guarategaja verwandt oder identisch sein. Am Rio Corumbiara ist die Situation noch tragischer. In diesem Gebiet besitzt heute in zweiter Generation Giacomo Casara die Gummi-Konzession (Anmerkung: der Boden wird hier bis zu 100 km gegen die Landesgrenze nicht verkauft, sondern nur in Konzession vergeben). Vater Casaro war italienischer Abstammung und mit einer Bolivianerin verheiratet. Er legte eine Picada bis Cascata. Er soll mit den Indianern auf gutem Fuß gelebt haben und stand im Tauschverkehr mit ihnen. Giacomo schätzte die Zahl der damals in jenen Wäldern lebenden Indianer auf etwa 1000. 1940 eröffnete daraufhin der Indianerschutzdienst einen Posten in Cascata, sam ­ melte die bis dahin noch frei in ihren Siedlungen lebenden Indios in seiner Station und versuchte sie zum Arbeiten zu bringen. Es waren dies vor allem die Gruppen der Massaka (Huari oder Aikanä). Offenbar hatte jede Horde einen eigenen Namen oder *) Siehe auch Haseman 1912 und Nordenskiöld 1924.