Teil I. Der Liebeseindruck. (Die zentripetale Phase der Liebe.) Jede Anziehung in der Natur setzt zwei Körper vor­ aus, einen der anzieht und einen der angezogen wird. Ge­ hören diese Körper, wie in unserem Falle, Menschen an, so nennen wir vielfach die Person, die uns anzieht, deren Erscheinung und Wesen uns „fesselt“, den Gegenstand oder das Objekt der Liebe, dem nach dem gewöhnlichen Sprach­ gebrauch der Liebende dann als Subjekt gegenübersteht. Genau überlegt ist aber eigentlich das Individuum, wel­ ches von der Neigung zu einem anderen ergriffen wird, der befallene und passive Teil und als solcher Objekt des ihn affizierenden Anderen. Es erscheint uns nur als Sub­ jekt, weil die äußere Einwirkung, die in ihm als ruhende Kraft Platz greift, allsogleich bestrebt ist, sich in eine le­ bendige Kraft umzusetzen. Indem uns so der objektive Teil zuerst als der tätigere, bewegtere entgegentritt, er­ scheint er uns als der subjektivere. In Wirklichkeit ist die Liebe also etwas, was sich in uns als leidendem Teil entwickelt. Die große Bedeutung, welche sie dann für eine zweite Person gewinnt und dar­ über hinaus für weitere Werdende gewinnen kann, ist ein sekundäres Phänomen; das primäre — zeitlich und sach-