„Si les lois modernes peuvent etre toutes particulierement connues et memes entendues de ceux qui ont le loisir, rintelligence et la volonte necessaires pour s’appliquer serieusement a une etude aussi laborieuse, eiles ne peuvent tres certainement pas etre du vulgaire. . . Während aber Mirabeau1) zu der Ansicht fortschreitet: „La maxime que l’ignorance de la loi n’excuse pas, serait peut-etre susceptile d’etre justifiee par des raisons de necessite,“2) geht M. E. Mayer einen ändern Weg. Br sagt3) unter Berufung auf Ihering4) und die bei Binding5) angegebene Literatur, daß „die Organe des Staates, die einzig berufen sind die Gesetze zu handhaben, . ... die einzigen Adressaten der Befehle“ sind, „die das Ge­ setz gibt,“ weil ja die Untertanen das Gesetz weder kennen, noch auch kennen können, und weil die Publikation der Gesetze ja nur erklären solle, „welcher Gesetzesinhalt echt ist.“6) Daß die Publikation und die vacatio legis in Rücksicht darauf bestehen, daß dem Grundsätze „ignorantia legis nocet“ wenigstens die Möglichkeit der Gesetzeskenntnis seitens jener, die dem Ge­ setze entsprechend leben sollen, zur Unterlage diene, ist von allen Staatsrechtslehrern anerkannt.7) Das hebt bezüglich der Pu­ blikation M. E. Mayer8) selbst hervor. Er sagt weiters9): „Es kann nicht verkannt werden, daß die Verkündung der Gesetze b Auf S. 240. 2) Aehnlich Lukas, Zur Reform des Strafrechts, Deutsche Juristen­ zeitung 1906, S. 30. 3) Rechtsnormen und Kulturnormen, Breslau 1903, Strafrechtliche Ab­ handlungen, begründet von Beim ecke, herausgegeben von Beling Heft 50, S. 4—13. 4) Zweck im Recht, 3. Aufl., Leipzig 1893, Bd. 1, S. 332 ff. 5) Normen Bd. 1 S. 8 ff. 6) Gegen Letzteres sehr richtig die Kritik Gerland’s in der Kritischen Vierteljahrsschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft, Tübingen 1905, Bd. 10, S. 417 ff. 7) Man vergleiche z. B. Lab and, Staatsrecht, Bd. 2, S. 20, 21, 100; Jellinek, Gesetz und Verordnung, S. 329; v. Schulze-Gaevernitz, Das preußische Staatsrecht, 2. Aufl., Leipzig 1890, Bd. 2, S. 7; v. Rönne, Das Staatsrecht der preußischen Monarchie, 4. Aufl., Leipzig 1881, Bd. 1, S. 397; Bierling, Juristische Prinzipienlehre, Freiburg i. B., Bd, 1, 1894, S. 132. 8) a. a. 0. S. 11. 9) S. 12, Anm. 4.