§ 3. Der Begriff „Recht.“ Um die Uebersichtlichkeit zu fördern, soll vorerst mithilfe weniger kurzer Sätze zu einer Rechtsdefinition vorgeschritten werden: Recht gibt es nur in menschlichen Gemeinschaften (unter Menschen, die auf einander einwirken). Soweit wir sehen, stammt es aus Menschen und ist da schon der inneren Erfahrung zugänglich. Es bezieht sich nur auf die Aktivität der Menschen, kann dieselbe aber schon in einem Vorstadium treffen. Es existiert bloß in der tatsächlichen Beeinflussung menschlicher Aktivität — es existiert bloß, insoferne es „gilt.“ Um solche Beeinflussung, solche Geltung zu erreichen, muß es eine Kraft sein (ein Wille). Der Rechtswille ist auf die Geltung ge­ richtet. Dieser Wille erreicht sein Ziel aber nur dann, wenn dies im Hinblick auf die gegebenen Verhältnisse möglich ist; das Recht muß jeweils geltungsmöglich sein. Der Geltungswille des Rechtes ist an keine Bedingungen geknüpft, er ist unbedingt. Er muß einerseits ein eigenes Prinzip darstellen, durch das er trotz des verschiedenen Inhaltes doch immer wieder als Rechts­ wille erscheint, er muß andererseits dieses Prinzip in solcher Art durchbilden, daß es — ohne auf irgend etwas anderes zu verweisen — mit vollster Bestimmtheit durchführbar wird. Das Rechtsprinzip muß sich in der sichersten, objektivsten Sphäre menschlicher Geistestätigkeit verwirklichen können. Es muß sich in festen Regeln niedergeschlagen haben und darin den An­ griffspunkt für eben diese sicherste objektivste Geistestätigkeit, die logische darbieten. Das Recht ist ein auf die Aktivität von (in Gemein­ schaftlebenden) Menschen be zughabendes, (aus Menschen