Harry ScHEWEf — Berlin Jacob Grimms Wunderhornbriefe nebst 3 Briefen Erich Schmidts Ein paar sprechende Äußerungen Jacob Grimms — dies sei vorausgeschickt — mögen veranschaulichen, wie die Brüder zu Savigny und Brentano standen. 1 Jacob im August 1809 an Wilhelm Grimm: „. . . Ich versichere Dich, wenn ich Dich nicht hätte, so gibt es nur ihn [Clemens] und den Savigny, an den ich vertrauen könnte.“ 2 Und am 15. 12. 1810 erinnert er Brentano: „Ich weiß nur noch das Wenige daraus [„Romanzen vom Rosenkranz“], was Sie vor Jahren vorgelesen zu Marburg oben auf Ihrer grünen Stube, . . . während der Savigny rothen Wein in den Thee schenkte . . . Ihr schönes Vorlesen gefiel mir außerordentlich . . .“ Wenig später gesteht er: „Ich denke oft daran, wie wir wohl geworden wären, ohne die Bekanntschaft mit Savigny und Ihnen — sicher viel anders.“ 3 Nun zum Wunderhorn. Brentano schreibt am 22. 3. 1806 aus Heidelberg an Savig ­ ny u. a. 4 : „Haben Sie in Kassel keinen Freund, der sich dort auf der Bibliothek umtun könnte, ob keine alten Liedlein dort sind, und der mir dieselben kopieren könnte? Der Auftrag wäre: befinden sich in Kassel auf der Bibliothek nicht . . . etwa hand ­ schriftliche Lieder weltlichen Inhalts oder etliche von jenen zwischen 1400 bis 1600 in großer Menge gedruckten musikalischen Liederbüchern mit weltlichen Texten, und wie heißen sie? Könnten Sie mir hierüber etwa durch Freund Pfeiffer, wenn etwas da ist, einen Korrespondenten verschaffen, dem ich alsdann zum Kopieren Auftrag und Lohn geben könnte?“ Offenbar wußte Brentano noch nicht, daß die Brüder Grimm in Kassel wohnten, wo Jacob Ende September 1805 aus Paris, Wilhelm aus Marburg mitnehmend, eintraf, da die Mutter inzwischen aus Steinau nach Kassel gezogen war. Dem trägt Savigny Rechnung, indem er die Weitergabe des Auftrags an Jacob am 16. 4. 1806 einleitet: „Clemens läßt Sie herzlich grüßen und trägt mir folgende Frage an Sie auf: . . . kann man dort Leute finden, die gegen Bezahlung Abschriften liefern?“ Natürlich übernahm Jacob selbst die Erledigung des Auftrags, und damit setzt die Mitarbeit der Brüder am Wunderhorn ein, so daß Brentano am 16. 7. 1806 Arnim auffordern konnte: „In Cassel suche auf Herrn Kriegssekretär Grimm, der mit Savigny in Paris war, ein guter Mensch, er sammelt Lieder für uns.“ 5 1 Achim v. Arnim trat persönlich für sie erst Ende 1807 in Erscheinung. 2 Steig: Briefwechsel Brentano —Grimm, S. 64. 3 Ebda S. 152. 4 Das unsterbliche Leben. Unbekannte Briefe von Clemens Brentano hg. von Wilh. Schellberg und Friedr. Fuchs. Jena, Diederichs, 1939, S. 353. 5 Steig: Briefwechsel Arnim—Brentano, S. 185. Ein Versuch Arnims, diesem Wunsche damals nachzukommen, schlug bekanntlich fehl.