■HSV fJ l/i \SM<&üzcrj?Jb\\\i vn»imv\ im №w^v\\\ Maja BoSkoviö-Stulli — Zagreb Die Beziehungen Jacob Grimms zur serbokroatischen Volksliteratur im Urteil südslawischer Autoren Das Verhältnis Jacob Grimms zur serbokroatischen Volksdichtung ist von ver ­ schiedenen Autoren schon so oft behandelt worden, daß es scheinen möchte, es gäbe hier nichts Neues mehr zu sagen. Und doch liegt bisher keine einzige Arbeit vor, die dieses Verhältnis in seiner komplexen Ganzheit erfaßt und allseitig als einen Kom ­ plex von Wechselwirkungen umfassend betrachtet, indem sie einerseits den Eindruck, den die serbokroatische Volksdichtung auf Grimm und die deutsche Romantik machte, andererseits die Rolle, die Grimm im Ringen um die offene Anerkennung und den Erfolg dieser Dichtung in ihrer eigenen Heimat spielte, festzustellen sucht. Die Mehr ­ zahl dieser Arbeiten beschränkt sich entweder auf Faktographie (die historischen Be ­ ziehungen zwischen Kopitar, Karadzic und Grimm, die Frage der Verfasserschaft der Liedübersetzungen u. dgl.), oder sie analysiert wichtigere Teilprobleme (z. B. den Unterschied zwischen Grimms und Goethes Ansichten über die serbokroatische Volksdichtung), wenn sie sich nicht bloß in den Grenzen publizistischer Gelegenheits ­ artikel hält. Da diese Beiträge über die verschiedensten minder bekannten Publi ­ kationsorgane verstreut, in deutscher, serbokroatischer und auch in anderer Sprache veröffentlicht sind, kann es geschehen, daß selbst die Verfasser wertvoller Arbeiten hie und da aus Unkenntnis schon Publiziertes wiederholen, wie aus demselben Grund auch falsche, längst widerlegte Gedanken erneut geäußert werden oder die Inter ­ pretationen in mancher Hinsicht lückenhaft erscheinen. Kann es auch nicht die Absicht vorliegender Studie sein, jene komplexe Synthese zu erzielen, so möchte sie doch deren künftiger Verwirklichung durch eine kritische Darstellung von Arbeiten südslawischer Autoren über die Beziehungen Jacob Grimms zur serbokroatischen Volksliteratur den Weg bereiten. Die Grenzsteine — sowohl dem Umfange nach, in dem sie unser Problem erfassen, als auch nach der Parallelität ihrer Themen und der fast ein halbes Jahrhundert langen Zeitspanne, die sie trennt — sind die Monographien von M. Curcin und M. Mo ­ jasevic, deren erste die Volkslieder und die zweite die Erzählungen in deutscher Übersetzung behandelt. 1 1 Milan Curcin: Das serbische Volkslied in der deutschen Literatur. Leipzig 1905; Miljan Mojasevic: Srpska narodna pripovetka u nemackim prevodima (Die serbische Volkserzählung in deutschen Übersetzungen). Beograd 1950. (Beide Studien widmen Jacob bzw. den Brüdern Grimm besondere Kapitel: Curcin S. 95 — 121 und 123 —130; Mojasevic , S. 19—91 bzw. S. 15 x —157 im deutschen Resümee).